Bild: Gewandung - Mode und Kleidung im Hochmittelalter / Link zur Startseite

Hochmittelalter

In der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde der Kleiderschnitt "erfunden" und als Folge davon entwickelte sich zunächst eine recht körperbetonte Mode. Das Kleid der Frau war am Oberkörper eng anliegend, was durch eine seitliche Schnürung gewährleistet wurde. Die Ärmel der Oberkleider konnten sich vom Ellbogen zum Handgelenk hin tütenförmig erweitern oder wiesen im Bereich des Handgelenkes teils bodenlange Schlaufen auf. Der Rockteil des Kleides war weit und endete oftmals in einer Schleppe. Um die größere Stoffülle des Rockteils zu erreichen, wurden Geren (keilförmige Stoffbahnen) in den Rockteil eingesetzt. Die enge Schnürung des Oberteils wurde teilweise noch durch einen Gürtel betont.
Das enganliegende Oberteil, die tütenförmigen Ärmel und die Geren waren auch bei den Männern zu beobachten, allerdings weitaus gemäßigter. Die Kleidung des Mannes war knie- bis knöchellang.
Dem dritten Stand (damals noch hauptsächlich Bauern; die Städte waren erst noch im Entstehen) waren die langen Hängeärmel verboten und das Einsetzen von Geren war auf 4 schmale seitliche Gere beschränkt.

Gegen 1230 verschwanden die exotischen Ärmelformen wieder. Der Ärmel war jetzt am Unterarm eng anliegend. Auch die lange Schleppe verschwand. Dafür hatte das Kleid der Frau jetzt rundherum Überlänge, so dass es beim Gehen gerafft werden mußte. Das Kleid wurde oft auch mit Gürtel getragen. Dieser fiel jedoch später immer mehr weg, so dass der Stoff ungehindert in reichen Falten fallen konnte.
Für die Männerkleidung galt prinzipiell das gleiche, wobei das Gewand des Mannes jedoch nur knöchellang war. Unter dem Gewand trug der Mann Beinlinge (enganliegende Strümpfe, die an der Bruche festgenestelt wurden). Der Waffenrock des Mannes (wurde über dem Kettenhemd getragen) war ein wenig kürzer und geschlitzt, damit man beim Kampf Bewegungsfreiheit hatte. Tendenziell wurde die Männerkleidung im betrachteten Zeitraum etwas kürzer.
Was das Oberteil angeht, so gehen hier Literatur und bildliche Kunst offenbar zwei verschiedene Wege: Auf mittelalterlichen Miniaturen und an Statuen sieht man mehr weite Oberteile, die reiche Falten werfen und so die Körperform eher verhüllen). In der höfischen Dichtung dagegen werden immer wieder enganliegende Oberteile beschrieben. Die Beurteilung dieser Fragen finde ich äußerst schwierig: einerseits wurde in den Epen durchaus die neuste Mode beschrieben, denn das wollten die Zuhörer ja hören (Modejournale gab es schließlich noch nicht), andererseits wird die Beschreibung des enganliegenden Oberteils hauptsächlich dazu verwendet, um die überaus schöne und schlanke Figur der Trägerin zu rühmen, was auf einen Kunstgriff hindeuten könnte. Ich persönlich habe mich bisher für die weitere Form des Oberteils entschieden, wenn ich ein Gewand aus dieser Epoche nähen wollte, nicht zuletzt weil Bilder zum Nachschneidern doch hilfreicher sind als Texte. (Andere Meinungen zu diesem Thema würden mich brennend interessieren).
Diese Mode blieb in Deutschland bis ungefähr 1330 erhalten.

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